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Microsoft 365 Copilot: Was nach dem Kauf wirklich auf Sie zukommt

M365 Copilot kostet 30 Euro pro Nutzer und Monat – und das ist nur der Anfang. Was viele Unternehmen unterschätzen: das eigentliche Problem liegt nicht in der KI, sondern in der eigenen Datenbasis.

Microsoft 365 Copilot: Was nach dem Kauf wirklich auf Sie zukommt

Microsoft 365 Copilot ist seit Ende 2023 für alle verfügbar. Wer es einführen will, zahlt aktuell 30 Euro pro Nutzer und Monat – zusätzlich zu bestehenden M365-Lizenzen. Für ein Unternehmen mit 200 Nutzern sind das 72.000 Euro im Jahr, bevor eine einzige Stunde eingespart wurde.

Das wäre keine relevante Zahl, wenn der Nutzen klar und verlässlich wäre. Die Realität ist differenzierter.

Erstmal: Welches Copilot ist gemeint?

Microsoft hat den Begriff “Copilot” für mehrere verschiedene Produkte genutzt, was zu erheblicher Verwirrung führt. Gemeint sind hier zwei:

Microsoft 365 Copilot ist in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams integriert. Es greift auf die Daten der jeweiligen Organisation zu – E-Mails, Dokumente, Meetings – und kann daraus zusammenfassen, formulieren und suchen. Das ist das teure Produkt (30€/Monat/Nutzer).

GitHub Copilot ist ein separates Tool für Entwickler, das Code-Vervollständigung und -generierung in Entwicklungsumgebungen liefert. Es kostet deutlich weniger (10–19€/Monat), hat klar messbare Auswirkungen auf Entwicklungsgeschwindigkeit und ist unter Entwicklern deutlich besser etabliert. Wenn jemand sagt “Copilot hat bei uns gut funktioniert”, meint er meist GitHub Copilot, nicht das M365-Pendant.

Das ist keine Kleinigkeit: Beide Produkte haben unterschiedliche Einsatzkontexte, unterschiedliche ROI-Profile und brauchen unterschiedliche Einführungsstrategien.

Das eigentliche Problem: Ihre SharePoint-Vergangenheit

M365 Copilot nutzt den Microsoft Graph – es hat Zugriff auf alle Daten, auf die der jeweilige Nutzer Zugriff hat. Das klingt zunächst sinnvoll. Es ist aber genau dann ein Problem, wenn Berechtigungen in SharePoint und Teams in den letzten Jahren nicht gepflegt wurden.

Und das ist bei den meisten Organisationen der Fall.

Was konkret passiert: Jemand fragt Copilot „Was wissen wir über die Gehaltsstruktur im Unternehmen?" Copilot durchsucht alle zugänglichen Dokumente und findet eine Excel-Tabelle, die die HR-Abteilung vor drei Jahren auf SharePoint abgelegt hat – ohne eingeschränkte Berechtigungen, weil damals niemand daran gedacht hat, dass das mal ein Problem werden könnte.

Microsoft hat das schon länger als “oversharing” bezeichnet und dafür auch Werkzeuge gebaut (z.B. SharePoint Advanced Management). Aber diese Werkzeuge setzen voraus, dass jemand erst einmal versteht, welche Daten wo liegen und wer darauf zugreifen kann. Diese Analyse ist nicht trivial und wird in vielen Copilot-Projekten übersprungen – mit vorhersehbaren Ergebnissen.

Kurz gesagt: Wer M365 Copilot einführt, ohne vorher seine Berechtigungsstruktur zu verstehen, öffnet nicht nur KI-Funktionen. Er hebt auch den Schleier über Datenlecks, die schon vorher existierten, nur unsichtbar waren.

Was M365 Copilot wirklich gut kann

Keine Frage: Es gibt Szenarien, in denen M365 Copilot echten Mehrwert liefert. Aber er liegt fast nie dort, wo man ihn zuerst vermutet.

Teams-Meeting-Zusammenfassungen sind ein ehrliches Positivbeispiel. Wer regelmäßig in Meetings sitzt, aus denen er ein Protokoll braucht, spart damit tatsächlich Zeit. Voraussetzung: Transkription ist aktiviert und wurde rechtlich (Betriebsrat, DSGVO) abgestimmt.

E-Mail-Priorisierung und -Entwürfe funktionieren gut als Ausgangspunkt, nicht als Ergebnis. Copilot schreibt einen Entwurf, der zu 70% brauchbar ist und überarbeitet werden muss. Ob das Zeitersparnis ist oder nur eine andere Verteilung der Arbeit, hängt stark vom Einzelfall ab.

Dokumentenrecherche über den eigenen Tenant ist dann sinnvoll, wenn die Dokumentenbasis strukturiert und aktuell ist. Viele Organisationen haben hier jahrelangen Ballast – veraltete Dokumente, Dubletten, unklare Versionen. Copilot findet das alles und gibt es aus, ohne zu filtern.

Was nach wie vor überschätzt wird

Halluzinationen sind kein gelöstes Problem. M365 Copilot erfindet keine Texte mehr so dreist wie frühe Sprachmodelle, aber es präsentiert fehlerhafte Informationen immer noch mit derselben Selbstsicherheit wie korrekte. Wer Copilot-Outputs nicht kritisch gegenliest, wird Fehler in Dokumente und E-Mails einschleißen.

Komplexe Analysen funktionieren nicht. Die Vorstellung, Copilot könne eine strategische Marktanalyse oder eine fundierte technische Bewertung erstellen, ist falsch. Solche Aufgaben setzen Urteilsvermögen voraus, das Copilot nicht hat.

Und: Copilot ersetzt keine schlechten Prozesse. Wenn die Dokumentation unvollständig ist, das Wissensmanagement im Unternehmen nicht funktioniert und Informationen in persönlichen Postfächern statt in gemeinsamen Ablageorten landen, macht Copilot das nicht besser. Es macht die Probleme nur sichtbarer.

Wie eine sinnvolle Einführung aussieht

Bevor die erste Lizenz aktiviert wird, sollten zwei Fragen ehrlich beantwortet sein:

Sind unsere Berechtigungen in Ordnung? Das bedeutet: Weiß jemand, welche SharePoint-Sites und Teams-Kanäle existieren, wer darauf Zugriff hat und ob das so gewollt ist? Wenn die Antwort “eigentlich nicht” ist, ist das der erste Schritt – nicht Copilot.

Welche drei Anwendungsfälle sollen sich in 90 Tagen konkret verbessern? “Produktivität generell steigern” ist kein Anwendungsfall. “Protokollzeit bei Projektmeetings von 45 auf 10 Minuten reduzieren” ist einer. Nur wer konkret messen kann, ob etwas besser geworden ist, kann am Ende sagen, ob der Einsatz die 30 Euro pro Nutzer wert ist.

Für Entwicklungsteams gilt eine separate Empfehlung: GitHub Copilot zuerst. Es ist günstiger, einfacher einzuführen und der ROI ist messbarer. Wer dort gute Erfahrungen gemacht hat, geht danach informierter in eine M365-Copilot-Entscheidung.

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